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Mit giftigen Sprüchen und schwarzem Humor geben die Fürstenberger unter der Regie von Theaterpädagoge Markus Hesse eine facettenreiche wie skandalverdächtige Fortsetzung des Fernsehsketches „Dinner for One“. Zur Premiere der Komödie „Miss Sophies Erbe“ waren am Freitag mehr als 200 Zuschauer in die Aula der Fürstenbergschulen gekommen.
Miss Sophie ist tot, von Butler James keine Spur. Das Testament der alten Dame soll eröffnet werden. In Erwartung eines großzügigen Erbes geraten die geladenen Nachkommen vor der Kulisse eines Anwesens aneinander.
Rücksichtslos sarkastische, aber hoch amüsante Wortgefechte prägen bis zum Schluss das Stück nach Andreas Wening: Da ist die selbstverliebte, weniger erfolgreiche und männerverschlingende Operetten-Diva Ludmila Stroganoff; die Hoffnungen dieser Frau vermag Denise Schierbaum auch im melancholischen Gesang mit dem Oberstufenchor unter der Leitung von Eva Bachmann auszudrücken: „Mein Freund und Kenner, der Alkohol.“ Offene Schlagabtausche mit ihrer kratzbürstigen Assistentin Gundula von Knorpheim (gespielt von Anna-Maria Bergmann) lassen den Zuschauer bitter bösen Humor erleben. „Das einzige Männliche, was sie je in ihrem Leben hatte, war ihr Damenbart“, schießt Ludmila gegen die biedere Gundula, die sich stets zu wehren weiß: „Sie haben ja bei jedem besteigungswilligen Gockel geglaubt, es wäre die große Liebe.“
Ein besonnenes Auftreten zeigt Notar Dr. Harry Ross (Sara-Marie Zweihoff), der wie ein souveräner Gastgeber zwischen den streitenden Parteien moderiert. Der gut aussehende, schüchterne Butler Paul (Mila Schindler) versucht sich immer wieder den Annäherungsversuchen einzelner Gäste zu entziehen: „Ich bin doch kein Mann für eine Nacht.“ Derweil scheint sich Erbanwärter Richard Pommeroy (Madeline Killmann) in dem Anwesen mehr und mehr heimisch zu fühlen. Durch die gelungene Maskenarbeit von Andrea Jasper fällt der hohe Anteil an Schauspielerinnen optisch gar nicht auf.
Einen ausdrucksstarken Auftritt beweist Jens Brüggemann als Siegfried Roy Toby. Der schrille, hysterische Paradiesvogel und eingebildete Modemacher – mit seinem geringgeschätzten Assistenten Terry (Hanna Berkenheide) im Schlepptau – lebt in seiner eigenen Welt. Seinem selbstbewussten Lied „Ich bin, wie ich bin“ stimmt der Chor singend zu. Viele Extrawünsche und eine „You-have-to-do-Liste“ bringen Sophia Post als burschikose Köchin Marlies endgültig auf die Palme; energisch zeigt sie der sogenannten „Rüsselschwester“ die Grenzen auf.
„Es sind sein Herz und seine Seele, die mich berührt haben“, versucht die aufreizende Gilla Winterbottom (Anne Philipp) ihre wahre Liebe zu dem deutlich älteren, stark pflegebedürftigen und vernachlässigten Herbert Winterbottom (Melissa Rass) vorzugaukeln. „Sie wird ihm auf dem Standesamt einen Magneten an den Herzschrittmacher gehalten haben, damit er noch mal ‚Ja‘ sagt“, deutet man in der Runde die Absichten des „geldgierigen und verschlampten Flittchens“ an.
Der plötzliche Tod des Mr. Winterbottom ruft zwei taktlose, aber pflichtbewusste Kommissarinnen (Katharina Bergmann und Malin Hörnschemeyer) auf den Plan, die später die trauernde Witwe als Mörderin festnehmen. Einen schauderhaften Auftritt des Bestatters (Hannah Kruse, zugleich unauffällige Souffleuse) ermöglicht das Technik-Team unter der Leitung von Hans-Joachim Bachmann mit speziellen Lichteffekten.
„Wie hat diese alte Bergziege so viele Männer gefügig gemacht?“, klagen die vier Erben, die Miss Sophies Stiefkinder sind. Die alte Dame hatte offenbar nicht nur vier Ehen mit jungen Männern, sondern wusste auch, sie angesichts ihres Vermögens umkommen zu lassen, wie Köchin Marlies zu berichten weiß.
„Ihr lieben Zurückgebliebenen...“ – Das Testament offenbart Butler James als Miss Sophies große Jugendliebe und als Todesengel. Zum großen Entsetzen erhalten die Erbanwärter anstelle eines großen Vermögens Urnen mit den Überresten ihrer ermordeten Väter. Dazu jeweils ein kleines Souvenir – makaber. Notar Harry Ross tritt mit seiner Frau Marlies, der Köchin, in die Fußstapfen seiner Mutter Miss Sophie und seines Vaters James mit den prominenten Worten „The same procedure as every year“.

Bildunterschrift: Miss Sophies geladene Erben hatten sich wohl mehr vom Testament der alten Dame erhofft – Statt Geld bekommen sie vom Nachlassverwalter die Überreste ihrer auf mysteriöse Weise verschwundenen oder verstorbenen Väter überreicht.

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Erstveröffentlichung am 17.12.2018 in der Ibbenbürener Volkszeitung

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Die Theater-AG des Fürstenberg-Gymnasium bereitet sich wieder vor! „Miss Sophie`s Erbe“ heißt das neue Stück und ist angelehnt – der Titel lässt es vermuten – an „Dinner for One“! Zum Inhalt: Chronischer Geldmangel zwingt die einstige Operetten-Diva Ludmilla Stroganoff zu ihrer mittlerweile siebten Abschiedstournee. Doch während sie die Hauptrolle in der völlig unbekannten Operette „Die keusche Baronin“ auf Provinzbühnen trällert, ereilt sie plötzlich die Nachricht, dass sie im Testament ihrer Stiefmutter Sophie bedacht wurde. Begleitet von ihrer bissigen Assistentin Gundula reist sie zum Ansitz Kübelstein ihres Vaters Admiral Schneider, um dort ihr längst fälliges Erbe anzutreten. Doch Erblassverwalter Ross hat eine Überraschung für sie: Miss Sophie hat noch weitere Personen in ihrem Testament bedacht, welche auch nach und nach auf dem Ansitz eintreffen: der undurchsichtige Sohn von Mister Pommeroy, die raffgierige Gilla, Pflegerin von Mister Winterbottom, und der schrille Modemacher Siegfried Roy Toby. Während im Verlauf der Nacht Butler Paul sich den heftigen Avancen von Ludmilla und Siegfried erwehren muss, lernen die Erbanwärter gegenseitig ihre dunklen Geheimnisse kennen. Aber auch die miserabel kochende Köchin Marlies weiß Überraschendes zu berichten, denn Miss Sophie war alles andere als ein Engel.

In diesem Jahr sind 13 Schülerinnen und Schüler gerade dabei sich unter der Leitung von Markus Hesse auf die kommende Premiere vorzubereiten! Diese findet statt am Freitag, den 14.12., um 19.30 Uhr, am Sonntag, den 16.12., um 17.00 Uhr und am Montag, den 17.12., um 19.30 Uhr in der Aula der Fürstenberg-Schulen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4,00 € und für Schüler 3,00 €. Vorverkauf ab sofort bei Buchhandlung Volk in Recke und ab dem 10.12. in der Aula der Fürstenberg-Schulen.

Wir fangen gerade erst an

Theater-AG des Fürstenberg-Gymnasiums feiert ausdrucksstarke Premiere

Lebt es sich im Gefängnis tatsächlich besser als im Seniorenheim? – Der Einladung zur Premiere der Komödie „Wir fangen gerade erst an“ waren am Freitagabend knapp 300 Zuschauer in die Aula der Fürstenbergschulen gefolgt. Das erfahrene Schülerensemble unter der Regie von Markus Hesse zeigte eine ausdrucksstarke, lustige und einfühlsame Erzählung fünf rüstiger Rentner, die sich ihren Traum vom Glück jenseits des Altenheims erfüllen wollen.
In der Seniorenresidenz mit dem wohlklingenden Namen „Diamant“ spitzt sich die Situation zu: Denise Schierbaum als Schwester Barbro und Jens Brüggemann als Heimleiter Mattson lassen in ihrer rücksichtslosen Tonart erkennen, dass ihnen mit drastischen Sparmaßnahmen das eigene finanzielle Wohl mehr am Herzen liegt als das der Bewohner.
Eine Fernsehreportage bringt die Senioren auf den Gedanken, im Gefängnis lebe man deutlich komfortabler als in ihrem Altenheim. In der Vorbereitung auf ein Verbrechen – schließlich müssen sie ja kriminell werden, um ins Gefängnis zu kommen – zeigt sich Märtha (Mandy Schwienhorst) schnell als Ideengeberin und selbstbewusste Anführerin der eingeschworenen Rentnerbande. Der Plan: „Den Reichen das Geld nehmen, um es den Armen zu geben.“
Im Fitnessstudio – dargestellt durch einen schuleigenen Videobeitrag – gibt sie die Richtung vor, um auch den rückenleidenden und mal schläfrig, mal euphorisch wirkenden Kratze (Michael Brüggemann) auf Hochtouren zu bringen. Für ihr erstes Verbrechen quartieren sich die fünf Senioren in einem Luxushotel mit stilgerechtem Butler (Tabea Meck) ein. Spätestens dort offenbart sich Geldgeberin Anna-Greta (Anna-Maria Bergmann) als launische Diva innerhalb des Quintetts. Stina (Ricarda Hülsmann) fällt hingegen durch ihre Schusseligkeit auf, weil sie oft die richtige Brille sucht. Derweil zeigt sich Snille (Pius Nospickel) als kluger, erfinderischer Kopf innerhalb der Bande. Der Plan, schwerreiche Gäste im Wellnessbereich des Hotels zu bestehlen, gelingt nicht so wie erhofft – die ersehnte Gefängnisstrafe bleibt aus.
Mithilfe einer gutgläubigen Museumsführerin (Malin Hörnschemeyer) und ihrem gebrechlichen Auftreten schafft es die Truppe, kostbarste Gemälde zu stehlen und ein Lösegeld in Höhe von 10 Millionen Euro zu erzwingen, das unerklärlich verschwindet. Erst mit Nachdruck nehmen die Polizisten Strömberg (Sara-Marie Zweihoff) und Petterson (Sebastian Kreling) die Selbstanzeige der Rentnerbande ernst, ehe die Gefängniswärterin (Katharina Bergmann) die ordnungsgemäße Inhaftierung der grauhaarigen Gauner vornimmt.
Im Gefängnis scheint dann vieles besser zu sein, redet sich Kratze sein, obwohl die Bande nach Geschlechtern getrennt untergebracht ist, wie Snille bedauerlicherweise feststellen muss. Die Performance und die Anwesenheit des Unterstufenchores unter der Leitung von Eva Bachmann sorgen zusätzlich für Gangsteratmosphäre. Und in dieser Umgebung knüpfen Märtha, Anna-Greta und Stina Kontakt zu den dubiosen und zugleich lustigen Gestalten Jugo (Anne Philipp) und Chantal (Anna Hannebohm), um einen Bankraub zu planen. Wegen guter Führung frühzeitig entlassen sind die Senioren schließlich wieder im Haus „Diamant“ vereint. Dabei führen sie in einem Katz-und-Maus-Spiel die beiden Polizisten Strömberg und Petterson immer wieder an der Nase herum. Mithilfe von Anna-Gretas Internetbekanntschaft Gunnar (Anne Philipp) gelingt der finale Millionenraub, an dem sich die geldgierige Heimleitung bedient, aufgrund einer geplatzten Farbpatrone in der Geldkassette aber als vermeintlicher Täter in Szene gesetzt wird. In Freiheit – jenseits des Seniorenheims und jenseits des Gefängnisses – beginnen die Senioren schließlich das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Erstveröffentlichung am 13.11.2017 in der Ibbenbürener Volkszeitung

 

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