Theater-AG des Fürstenberg-Gymnasiums begeistert mit „Das Vermächtnis“
Große Emotionen, überzeugende Darsteller und eine aufwendige Inszenierung
Recke. Eine historische Stadt, gesellschaftliche Konflikte und eine Frau, die sich nicht zum Schweigen bringen lässt: Mit der Premiere von „Das Vermächtnis“ hat die Theater-AG des Fürstenberg-Gymnasiums am Freitagabend eindrucksvoll gezeigt, wie facettenreich Schultheater sein kann. Das große Ensemble überzeugte mit ausdrucksstarkem Schauspiel, emotionalen Momenten und einer gelungenen Verbindung ernster gesellschaftlicher Fragen mit humorvollen Szenen.
Bereits das aufwendig gestaltete Bühnenbild entführte das Publikum in eine Stadt des Jahres 1850. Zeittypische Kostüme und eine stimmige Ausstattung ließen die gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts lebendig werden.
Im Mittelpunkt des Stücks, das Markus Hesse gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt hatte, stand Anna Hartwig (Lynn Rechtien). Klug, entschlossen und selbstbewusst verkörperte sie eine Frau, die sich den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit widersetzt. Anna kämpft für Gleichberechtigung und entwickelt zugleich ein neuartiges Verfahren zur Verschlüsselung von Nachrichten. Lynn verlieh ihrer Figur zahlreiche Facetten: mal leidenschaftlich und kämpferisch, mal verletzlich und nachdenklich.
Ihr Gegenspieler, Bürgermeister Albrecht (Noah-Gabriel Schmitz), überzeugte mit markanter Körpersprache und großer Bühnenpräsenz. Gemeinsam mit dem Geschäftsmann Falkenberg (Leonie Neuhaus) versucht er, Annas Erfindung an sich zu bringen. Aus diesem Konflikt entwickelt sich eine Geschichte über Unterdrückung, Verrat und Machtmissbrauch.
Besonders überzeugend gelang Ronja Piepmeyer die Darstellung von Clara, der Ehefrau des Bürgermeisters. Ihre Figur entwickelt sich von einer zunächst zurückhaltenden, eingeschüchterten Frau zu einer selbstbewussten Persönlichkeit, die ihrem Mann schließlich entschieden entgegentritt. Auch Flora (Leo Reiering), die Tochter des Bürgermeisters, brachte mit lautstarkem, aufwühlendem und facettenreichem Spiel zusätzliche Dynamik auf die Bühne.
Alida Goecke verlieh der hochfrommen Gertrud Malwein mit ausgeprägtem Pathos und eindringlichen Monologen ein unverwechselbares Profil. Die kompromisslose Verteidigung traditioneller Moralvorstellungen machte ihre Figur zu einer markanten Gegenspielerin gesellschaftlicher Veränderungen.
Für Lacher sorgten die flatternden Tratschtanten Frau Brenner (Celina Kock) und Frau Krumm (Lea Strodmeyer) mit ihrem lebhaften Geplapper. Auch Annas Eltern Friedrich und Wilhelmine Hartwig (Jan Lucas Borggreve und Emma Lambrecht) sowie Bürgermeisterassistent Christoph Weber (Emilia Kock) bereicherten die Handlung mit humorvollen Auftritten.
Eine besondere Stärke bildeten die eindrucksvollen Massenszenen. Zahlreiche jüngere Schülerinnen und Schüler verwandelten als Statisten die Bühne mit lebendigen Marktszenen und lautstarken Demonstrationen in einen Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzungen.
Den emotionalen Höhepunkt gestaltete Lynn Rechtien mit ihrem erschütternden Monolog in der Todeszelle. Ihre eindringliche Darstellung von Verzweiflung, Mut und ungebrochener Überzeugung rührte die Zuschauer zu Tränen. Auch der Konflikt zwischen Anna und ihrer Tochter Magda (Anneke von Ohr) verlieh der Handlung besondere Tiefe.
Erst 25 Jahre nach Annas Tod gelingt es ihrer Familie, die Wahrheit über das erlittene Unrecht aufzudecken. Eine Spieluhr spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Zeitsprung wurde auch optisch überzeugend umgesetzt: Veränderte Kostüme, Frisuren und Masken machten das Altern der Figuren sichtbar. Das nachdenklich stimmende Schlussbild mit einem Buch über Annas Geschichte und der vertrauten Spieluhrmelodie setzte einen eindrucksvollen Schlusspunkt.
In weiteren Rollen überzeugten Ann Sophie Hotopp als Annas Mitstreiterin Lisa Tomblin, Lotta Daut als Luise, die Schwester des Bürgermeisters, sowie Nils Overberg als Pastor Elias. Josefin Enste verkörperte Hauptmann Reuter, während Franziska Grandi als Voss auf der Bühne stand. Simon Schmitz übernahm die Rolle des Postboten. Lucia Vorbrink und Yen Nhi Nyuyen bereicherten das lebendige Marktgeschehen. Gemeinsam mit den zahlreichen Statistinnen und Statisten trugen sie zum Gelingen einer Aufführung bei, deren besondere Stärke im Zusammenspiel des großen Ensembles lag. Schulleiter Christoph Heeke würdigte die Aufführung als gelungenes Beispiel schulischer Nachwuchsförderung.
Fotos: Klaus Kuhl und Philipp Jansen (Medienwerkstatt)

