Lernen verbindet Generationen
Seit einem Vierteljahrhundert bringt die Seniorenschule EULE am Fürstenberg-Gymnasium junge und ältere Menschen zusammen. Beim Jubiläum wurde deutlich: Hier geht es längst um weit mehr als Sprachen, Literatur oder den Umgang mit dem Smartphone. EULE steht für Gemeinschaft, gegenseitige Wertschätzung und die Freude daran, voneinander zu lernen.
„Erleben, Unterrichten, Lernen, Experimentieren“ – dafür stehen die vier Buchstaben der EULE, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Das Gemeinschaftsprojekt des Fürstenberg-Gymnasiums und des Caritasverbandes Tecklenburger Land hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Unter dem Motto des Bistums Münster „Zusammen geht was“ begegnen sich hier Woche für Woche Generationen, die auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Rollen einnehmen: Schülerinnen und Schüler werden zu Lehrenden, Seniorinnen und Senioren drücken noch einmal die Schulbank.
Wie besonders diese Idee bereits bei ihrer Entstehung war, zeigte zum Auftakt der Jubiläumsfeier ein SAT.1-Fernsehbeitrag aus dem Jahr 2001. Schon damals sorgte die EULE für großes mediales Interesse. Im Mittelpunkt standen die Freude am gemeinsamen Lernen und die Freundschaften, die zwischen Jung und Alt entstanden. Vieles davon hat sich auch 25 Jahre später nicht verändert.
Durch die Jubiläumsveranstaltung führten Christina Riethues vom Caritasverband und EULE-Koordinatorin Stefanie Ahlers. Ahlers setzt dabei eine lange Tradition fort: Auf schulischer Seite wurde das Projekt zunächst von Meinolf Dörhoff, später von Pia Schweiker und heute von ihr betreut.
„25 Jahre gelebtes Lernen“
Schulleiter Christoph Heeke würdigte in seiner Ansprache „25 Jahre gelebtes Lernen“. Die anhaltend große Nachfrage und die gut besuchten Kurse zeigten, dass das Konzept auch nach einem Vierteljahrhundert nichts von seiner Aktualität verloren habe. Die EULE sei ein „Ort, an dem sich Generationen mit Respekt und Offenheit begegnen“. Besonders wichtig sei dabei die Verantwortung, die die jungen Lehrerinnen und Lehrer übernehmen. Sie erlebten unmittelbar, dass ihr eigenes Handeln Wirkung habe.
Die EULE mache erfahrbar, was eine katholische Schule auszeichne: Menschen begegnen einander, nehmen sich gegenseitig wahr und erfahren: „Ich werde gesehen, ich werde gebraucht, mir wird etwas zugetraut,“ stellte Niels Hakenes als Leiter der Abteilung Bildungs- und Schulentwicklung heraus. Schule werde damit zu einem Ort der Begegnung von Menschen, „die sich einander etwas zu geben haben“.
Und tatsächlich profitieren beide Seiten. Die Seniorinnen und Senioren können aus einem breiten Kursangebot wählen – von Englisch, Französisch und Spanisch über Literatur und Gedächtnistraining bis hin zu den besonders gefragten Smartphone-Kursen. Einige sind der EULE sogar seit ihrer Gründung treu geblieben.
Für die Schülerinnen und Schüler wiederum bedeutet das Unterrichten eine Erfahrung, die weit über den normalen Unterricht hinausgeht. Als Motivation nennen die jungen Lehrkräfte unter anderem den Spaß am Umgang mit anderen Menschen, die Verbesserung ihrer Präsentationsfähigkeit und die Freude daran, mitzuerleben, wie ihre Schülerinnen und Schüler Fortschritte machen.
Erinnerungen an 25 Jahre EULE
Wie viele persönliche Geschichten mit der Seniorenschule verbunden sind, zeigte eine lockere Podiumsdiskussion zum Abschluss der Feier. Ehemalige und heutige Wegbegleiter blickten auf die Entstehung und Entwicklung des Projekts zurück. Mit dabei waren unter anderem der pensionierte Schulleiter Werner Lehmann und der ehemalige Hausmeister Reinhold Pruß, nun Schülersprecher. Lehmann erinnerte sich an die Anfänge und daran, wie schnell deutlich geworden sei, welchen Bedarf es für ein solches Angebot gebe. Gegenüber der Ibbenbürener Volkszeitung (IVZ) brachte er seine Begeisterung für die EULE mit einem Satz auf den Punkt: „Das ist so gut, das ist zum Erfolg verdammt.“
Auch die heutigen Seniorenschüler machten deutlich, wie sehr sie die besondere Atmosphäre schätzen. Ludger Tegeder, seit vielen Jahren dabei, bedankte sich stellvertretend bei den ehemaligen und aktuellen Schülerlehrerinnen und Schülerlehrern. Passend zum Namen der Seniorenschule erinnerte er in einem Gedicht an die Eule als Symbol für Klugheit und Erkenntnis: „Für uns alle hat Bildung Priorität.“
Ein besonderes Geschenk gab es zum Jubiläum ebenfalls: Seniorenschüler Werner Hövelmeyer überreichte eine Eule aus Ibbenbürener Sandstein. Sie soll künftig im Eingangsbereich der Fürstenberg-Schule stehen und damit sichtbar an eine Idee erinnern, die seit 25 Jahren trägt.
Dass diese Idee so erfolgreich ist, liegt an den vielen Menschen, die die EULE über die Jahre begleitet haben: den Schülerlehrerinnen und Schülerlehrern, den Seniorenschülerinnen und Seniorenschülern, den Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie den zahlreichen ehrenamtlich Engagierten.
Nach 25 Jahren ist deshalb eines deutlich: Für die EULE ist niemand zu alt zum Lernen – und niemand zu jung zum Erklären. Vor allem aber zeigt sie, wie viel entstehen kann, wenn Generationen einander mit Offenheit, Neugier und Respekt begegnen.

