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Nicht wenige Lehrer blicken auf eine stressvolle Zeit zurück, wenn sie an ihre eigene Ausbildung denken. Umso bewundernswerter ist es dann, wenn eine junge Frau unter gleichen Anforderungen, aber im Rollstuhl das Referendariat mit einer Gesamtnote von 1,8 abschließt. Ina Drees aus Steinbeck ist das nun am Fürstenberg-Gymnasium gelungen.

Besuch des Pflegedienstes am frühen Morgen, Fahrt mit der Arbeitsassistentin zur Schule nach Recke oder zum Studienseminar nach Münster und zurück, nachmittags zur Physio- oder Ergotherapie, abends um 22.00Uhr ins Bett. Für die Referendarin Ina Drees aus Steinbeck muss der Schulalltag gut organisiert sein vor allem auch, wenn es um die Unterrichtsvorbereitung geht. So brauche sie immer einen Vorlauf, um sich ausgesuchte Arbeitsmaterialien wie Bücher zurechtlegen zu lassen und um dann alleine am Schreibtisch zurechtzukommen. Tippen am Laptop und Schreiben mit einer Hand nähmen zusätzliche Zeit in Anspruch, zumal sie mit den Fächern Deutsch und Englisch die wohl korrekturreichste Fächerkombination unterrichtet. „Das Schulische hat mir viel Freude bereitet, aber das Organisatorische drum herum hat manchmal viel Kraft gekostet“, schaut Ina Drees auf die vergangenen knapp eineinhalb Jahre ihrer 18-monatigen Lehrerausbildung. Und bei den Schülern kommt die junge Lehrerin gut an: „Man hat Lust in ihren Unterricht zu gehen, weil sie ihn spannend und interessant gestaltet,“ freut sich Harald Schlüter im Englisch-Leistungskurs der Q1. Mithilfe neuer schülerorientierter Medien sei der Unterricht von Frau Drees sehr gut vorbereitet und strukturiert. Und auch die Ausbildungsbeauftragten (Abbas) Anne Kamprolf und Anke Sandfort-Korte attestieren der gelassenen und motivierten Referendarin einen guten Draht zu den Schülern. Dass eine Lehrerin im Rollstuhl und in einem eigenen Lehrerraum unterrichtet, sei am Fürstenberg-Gymnasium selbstverständlich geworden. Schließlich hätten die hilfsbereiten Schüler  gemerkt, was ihr möglich sei und was nicht, stellte Drees schon zu Beginn ihres Referendariats fest. Am Ende ihrer Ausbildung steht nun die beeindruckende und bewundernswerte Gesamtnote von 1,8.

„Ich bin wirklich froh, diesen Schritt gewagt zu haben“, blickt die Fürstenberger Abiturientin von 2005 auf die Zeit nach ihrem Reitunfall zurück, bei dem sie im März 2011 eine Querschnittslähmung von der Schulter abwärts erlitt. Schon im darauffolgenden Jahr – nach Krankenhausaufenthalt und Reha – schloss sie ihr Studium in Passau mit den noch fehlenden mündlichen Examensprüfungen erfolgreich ab. In der Folgezeit erteilte sie Privat- und Förderunterricht. „Es war nie ein Thema, das nicht zu machen,“ unterstreicht Drees ihren bleibenden Willen, mit dem Referendariat das Zweite Staatsexamen ablegen zu wollen. Ihr ehemaliger Klassenlehrer Josef Konnemann und Reinhold Verneuer, pensionierter Konrektor an der Realschule, hätten sie immer wieder zu diesem Schritt ermutigt. Dass sich die Schule überhaupt auf dieses „Abenteuer“ eingelassen habe, sei auch dem Schulleiter Michael Kamlage und dem Studienseminar in Münster zu verdanken.

Wie es nach dem Referendariat ab November weitergeht, weiß Ina Drees noch nicht. Ihr größter Wunsch ist es aber,  in Recke zu bleiben. Schließlich fühle sie sich in ihrem sozialen Umfeld sehr wohl, und auch das gute Schulklima in der Lehrer- und Schülerschaft spreche dafür, sich am Fürstenberg-Gymnasium zu bewerben.

Erstveröffentlichung am 29.09.2017 in der Ibbenbürener Volkszeitung